Fünf Dinge, die du vielleicht noch nicht über die Iberien-Route wusstest
Der Lockruf des Mittelmeers
Palma de Mallorca, 10:30 Uhr morgens: Während die Stadt den Tag begrüßt, beginnt für Gäste der brandneuen Mein Schiff Relax bereits das Urlaubsgefühl. Dank früher Flugverbindungen und einer tadellosen Logistik ist das Einchecken ein Kinderspiel; manchmal ist die eigene Kabine bereits gegen Mittag bezugsbereit. Wer diese wertvolle Zeit nicht ungenutzt lassen möchte, investiert 15 € in den Shuttle der Reederei, der einen in wenigen Minuten direkt vor das majestätische Portal der Kathedrale bringt. Es ist der Auftakt zu einer 10-tägigen Reise rund um die iberische Halbinsel und Marokko. Doch abseits der bekannten Routenplanung stellt sich die Frage: Wie definiert dieses neue Schiff den Begriff „Entschleunigung“ neu, und welche Geheimnisse verbergen sich hinter den Stopps dieser Reise?
1. Die Ironie des „Roten Blitzes“
Ein absolutes Muss bei einem Aufenthalt auf Mallorca ist die Fahrt mit der historischen Eisenbahn von Palma nach Sóller. Doch wer hier Geschwindigkeit erwartet, wird überrascht: Der „Rote Blitz“ ist weder rot noch blitzschnell. Sein Name ist eine charmante Ironie der Geschichte. Die wahre Magie liegt in der Entschleunigung: Für die lediglich 28 Kilometer lange Strecke benötigt der Zug eine volle Stunde. Dabei windet er sich durch 13 Tunnel, überquert zahlreiche Brücken und überwindet 400 Höhenmeter. Ein besonderer Tipp für Fotografen: In den zahlreichen Kurven bietet sich ein spektakulärer seitlicher Blick auf den gesamten Zug vor der Bergkulisse. Während die Reederei für ihre Landausflüge einen exklusiven Sonderzug mit separaten Haltestellen nutzt, können Individualisten den regulären Linienbetrieb ab dem Hauptbahnhof Palma für ca. 25 € nutzen. „Sóller liegt im Herzen des Orangentals, dem ‚Tal des Goldes‘. Es ist ein Ort mit Charakter und Gemeinschaftsgefühl, eingebettet in eine Kulisse, die ihn zu einer der begehrtesten Wohngegenden der Baleareninsel macht.“
2. Kulinarik trifft Hightech – Das Fugu-Spektakel
An Bord der Mein Schiff Relax wird Essen zur „Experience Gastronomy“. Im neuen Restaurant Fugu, einem visionären Konzept von Sternekoch Tim Raue, verschmelzen Kulinarik und digitale Kunst. Das exklusive Mehrgängemenü wird von raumfüllenden visuellen Projektionen an den Wänden begleitet, die die sensorische Reise der Speisen unterstützen. Mit einem Aufpreis von aktuell 119 € pro Person (2025) ist dieses Erlebnis im gehobenen Segment angesiedelt. Doch wer die Expertise von Tim Raue schätzt, wird feststellen, dass der Preis durch die Qualität der Kreationen und die inkludierte, perfekt abgestimmte Weinbegleitung absolut gerechtfertigt ist. Es ist kein schlichtes Abendessen, sondern eine moderne Inszenierung, die den Trend zu immersiven Erlebnissen perfekt aufgreift.
3. Navigations-Hacks für das Labyrinth von Tanger
Tanger ist ein pulsierendes, fast klaustrophobisches Geflecht aus Farben, Gerüchen und Stimmen. Wer die Medina (Altstadt) betritt, merkt schnell, dass Google Maps hier an seine Grenzen stößt. Ein lokaler Führer ist in den verwinkelten Gassen Gold wert, um die historischen Handelstore und die Seele der Stadt stressfrei zu erleben. Sollten Sie sich dennoch allein in das Getümmel wagen, hilft eine intuitive Faustregel der Einheimischen: „Geht es bergab, führen die Gassen immer Richtung Wasser und Hafen. Geht es bergauf, gelangt man tiefer in das Labyrinth der Oberstadt.“ Am höchsten Punkt thront die Kasbah, der ehemalige Verwaltungssitz, von dem aus man einen spektakulären Blick über den geschäftigen Fischerhafen genießt.
4. Wenn der Sturm zum Glücksfall wird – Das Wunder von Cartagena
In der Seefahrt ist Flexibilität die höchste Tugend. Als eine Sturmwarnung den geplanten Stopp im atlantischen Cádiz unmöglich machte, bewies die Crew logistisches Geschick und steuerte einige Tage später alternativ Cartagena an. Was als Notlösung begann, entpuppte sich als historisches Highlight. Die Stadt ist ein archäologisches Juwel. Besonders beeindruckend ist das römische Theater, das zwischen 5 und 1 vor Christus errichtet wurde und jahrhundertelang verborgen blieb. Ein gläserner Aufzug bringt Besucher zudem direkt hinauf zum Castillo della Concepción aus dem 11. Jahrhundert. Dieser ungeplante Stopp verdeutlichte, dass die Qualität einer Kreuzfahrt heute auch von der Fähigkeit abhängt, hochwertige Alternativen aus dem Ärmel zu schütteln.
5. Die Neudefinition von „Relax“ – Fokus statt Masse
Die Mein Schiff Relax bricht radikal mit dem Design ihrer Vorgängerinnen. Wo früher weitläufige Shopping-Mails („Neuer Wall“) an schwimmende Einkaufszentren erinnerten, herrscht nun bewusste Reduktion. Die Ladenzeile ist auf zwei spezialisierte Geschäfte geschrumpft. Auch das Theater ist intimer geworden, bietet dafür jedoch zwei Spielzeiten an, um das Publikum zu entzerren. Das Schiff forciert das „Slow-Down“-Prinzip durch seine Architektur:
• Architektonische Ruhe: Das neue Agora Deck mit seinem Infinity Pool lädt zum Verweilen ein (Getränke an der Agora Bar sind All-Inclusive).
• Exklusive Rückzugsorte: Die Barista Bar auf Deck 3 bietet einen fantastischen seitlichen Blick auf das Meer (hier sind Getränke allerdings aufpreispflichtig, im Gegensatz zur klassischen All-In-Struktur).
• Weltklasse-Cocktails: In der Captain’s Bar am Bug, die denselben Ausblick wie die Brücke bietet, serviert man Kreationen einer Cocktail-Weltmeisterin.
• Frühstücks-Insider: Für nur 8,50 € Aufpreis kann man im Höfte Steakhausein exklusives Frühstück abseits des Buffet-Trubels genießen.
Fazit: Ein Blick in die Zukunft des Reisens
Diese Reise ist mehr als nur eine Route; sie ist ein emotionales Erlebnis. Unvergesslich bleibt das „Typhon-Konzert“ auf offener See, als sich die Mein Schiff Relax und die Mein Schiff 1 ein minutenlanges Duell mit ihren Schiffshörnern lieferten – ein Gänsehautmoment für jeden Kreuzfahrt-Enthusiasten. Auch Lissabon bot touristischen Tiefgang: Die Fahrt unter der „Brücke des 25. April“ ist ikonisch. Wusstest Du, dass sie ursprünglich nach dem Diktator Salazar benannt war und ihr Design der San Francisco Bay Bridge aus den 1930ern nachempfunden ist (und nicht etwa der Golden Gate Bridge)?
Die Mein Schiff Relax zeigt deutlich, wohin die Reise geht: Weg von der schieren Größe, hin zu kuratierter Exklusivität und räumlicher Großzügigkeit. Es stellt sich die abschließende Frage: Ist die Zukunft der Kreuzfahrt vielleicht nicht das „Immer mehr“, sondern das „Viel besser“? Wer einmal im Infinity Pool den Sonnenuntergang über dem Mittelmeer beobachtet hat, kennt die Antwort.
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