Dubai nach Mallorca mit Suez-Kanal Passage

21 Tage, zwei Kapitäne und das Geheimnis von Jerusalem:
Meine Highlights der Transreise von Dubai nach Mallorca

Eine Seereise über drei Wochen ist weit mehr als eine bloße Urlaubsreise; sie ist eine epische Passage zwischen den Welten, ein marines Epos, das den Bogen von den futuristischen Skylines des Orients bis zu den geschichtsträchtigen Gestaden des Mittelmeers spannt. Auf der Route der AIDAcosma von Dubai nach Mallorca erlebt der Reisende eine Symphonie der Kontraste. Es ist der Übergang von der gleißenden Hitze der Wüste zur salzigen Brise der Ägäis, eine Reise, die Zeit lässt, die Seele im Rhythmus der Wellen schwingen zu lassen, während man technische Wunderwerke und kulturelle Tiefenschichten durchmisst, die dem flüchtigen Touristen oft verborgen bleiben.

Handwerkskunst der Superlative: Wenn Rekorde auf Religion treffen

In den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman begegnet man einer Architektur, die das Wort „Opulenz“ neu definiert. Die Scheich-Zayed-Moschee in Abu Dhabi ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern ein Manifest nationalen Stolzes aus strahlend weißem Granit und Kalkstein – Materialien, die hier als Symbole für Reinheit und Freiheit fungieren. Besonders die logistische Meisterschaft hinter der Ausstattung zeugt von einem beispiellosen Aufwand. Der 5.600 Quadratmeter große, 47 Tonnen schwere Teppich in der großen Mosche von Abu Dhabi wurde im Iran in Einzelteilen gefertigt, via Flugzeug eingeflogen und erst vor Ort von Knüpferinnen finalisiert. In der Sultan-Qaboos-Moschee in Muscat bewundert man ein ähnliches Meisterwerk: einen 4.300 Quadratmeter großen Teppich, an dem 600 Frauen drei Jahre lang arbeiteten. Diese orientalische Pracht wird durch deutsche Ingenieurskunst gekrönt: Die sieben blütenförmigen Kronleuchter aus Edelstahl und Swarovski-Kristallen wurden in Deutschland gefertigt, wobei das größte Exemplar in Abu Dhabi mit 15 Metern Höhe als einer der gewaltigsten der Welt gilt.
„Die Moschee wird unter den Einheimischen auch die ‚Große Moschee‘ genannt – ein Name, den sie aufgrund ihrer Kapazität für über 40.000 Gläubige absolut zu Recht trägt.“
Wer glaubt, diese Pracht sei nicht zu steigern, findet im Präsidentenpalast Qasr Al Watan in Abu Dhabi die Antwort. Dieser „Palast der Nationen“, erbaut aus weißem Stein, beherbergt eine Bibliothek mit über 50.000 Büchern und dient als Sitz des Kabinetts – ein Ort, an dem die ätherische Schönheit der Architektur auf die harten Realitäten der Staatsführung trifft.

Zwei Kapitäne zum Preis von einem: Das Community-Phänomen an Bord
Die moderne Kreuzfahrt findet heute auf zwei Ebenen statt: auf dem stählernen Giganten selbst und in den digitalen Sphären der sozialen Medien. Ein bemerkenswertes Phänomen dieser Reise war das Facebook-Fantreffen in der Rock Box Bar. Über 1.000 Mitglieder zählte die Gruppe – eine Gemeinschaft, die bereits existierte, bevor das erste Gepäckstück an Bord der AIDAcosma verladen wurde. Es ist faszinierend zu beobachten, wie soziale Medien die Anonymität eines Schiffes mit über 6.000 Passagieren aufbrechen und eine loyale, vernetzte Community schaffen.
Diese Reise bot zudem eine maritime Rarität: einen Kapitänswechsel auf halber Strecke. Vincent Cofalka, der das Schiff sicher aus dem Orient führte, übergab das Kommando in Piräus an Marc Dominique Tidow.
„Es gibt zwei Kapitäne zum Preis von einer Reise“, scherzte Kapitän Cofalka beim Fantreffen, bevor er das „Lenkrad“ an seinen Nachfolger weiterreichte. Diese personelle Rochade unterstrich die familiäre Atmosphäre, die trotz der enormen Größe des Schiffes herrschte, und verband das technische Kommando mit der nahbaren Interaktion der Crew.

Der 300.000-Dollar-Shortcut: Die ökonomische Macht des Suezkanals
Die Durchquerung des Suezkanals ist ein logistisches Hochamt. Auf 193 Kilometern gleitet die AIDAcosma durch das schimmernde Nichts der ägyptischen Wüste. Für ein Schiff dieser Dimensionen – mit über 337 Metern Länge und gewaltiger Tonnage – wirkt die Passage wie ein chirurgischer Eingriff im Sand. Besonders die Durchfahrt unter der „Friedensbrücke“ sorgt für angehaltenen Atem: Von Deck aus wirkt der Abstand zwischen Schornstein und Brückenkonstruktion beängstigend knapp. Diese Brücke selbst ist ein Spiegel der Geschichte: Einst als ägyptisch-japanische Freundschaftsbrücke erbaut, wurde sie zur Mubarak-Brücke und nach der Revolution schließlich zur Friedensbrücke umbenannt. Der Kanal ist die Lebensader des Welthandels; 12 % des globalen Warenverkehrs passieren dieses Nadelöhr. Die ökonomischen Kennzahlen sind nüchtern betrachtet atemberaubend:
Frequenz: Rund 19.000 Schiffe pro Jahr.
Einnahmen: Ca. 5 Milliarden US-Dollar jährlich für Ägypten.
Kosten: Eine einzige Passage für ein Schiff dieser Größe schlägt mit durchschnittlich 300.000 US-Dollar zu Buche.

 

Salalah: Das grüne Wunder des Weihrauchlandes

Salalah, im Südwesten des Omans, bildet einen aromatischen Höhepunkt der Reise. Die Region Dhofar ist das legendäre Weihrauchland. Im Museum von Al Baleed wird die Geschichte der Weihrauchstraße dokumentiert, die einst das kostbare Harz bis nach Mitteleuropa brachte. Der Duft von verbrennendem Weihrauch liegt hier ständig in der Luft, ein sakraler Schleier über der Stadt. Inmitten der ansonsten kargen Region wirkt Salalah durch sein Mikroklima wie ein grünes Wunder. Während man in der Hitze über den Weihrauchmarkt schlendert, bieten kleine Straßenstände einen profanen, aber willkommenen Kontrast: frisches Kokoswasser, direkt aus der Frucht genossen, während man im Schatten von Kokospalmen und Obstbäumen für einen Moment die Zeit vergisst.

Jerusalem: Warum die „Stadt des Friedens“ vielleicht nur ein Mythos ist

Jerusalem ist ein Palimpsest der Geschichte, an dem sich die Schichten der Jahrtausende überlagern. Beim Gang durch das jüdische Viertel zur Westmauer begegneten wir lebhaften Bar-Mizwa-Feiern – ein pulsierendes Zeugnis lebendiger Tradition an einem Ort, der für viele Juden den ewigen Bund mit Gott symbolisiert. In der Grabeskirche hingegen, die von den Ostkirchen als Auferstehungskirche verehrt wird, herrscht eine ganz andere, andächtige Stille.
Als Reisender mit Sinn für Nuancen fasziniert besonders die Etymologie des Stadtnamens. Während die populäre rabbinische Deutung Jerusalem als „Stadt des Friedens“ (abgeleitet von Shalom) feiert, offenbart die historische Forschung eine andere Wurzel: Yru des Schalim bedeutet wahrscheinlich „Gründung des Gottes Schalim“. Schalim war der kanaanitische Gott der Abenddämmerung. Diese Erkenntnis, dass die „Stadt des Friedens“ ihren Ursprung im Namen einer vergessenen Gottheit der Dämmerung hat, verleiht diesem spirituellen Epizentrum eine fast melancholische Tiefe.

Planung ist alles: Die harte Lektion von Barcelona
Barcelona, der größte Kreuzfahrthafen des Mittelmeers, ist eine Metropole der Superlative, die jedoch logistische Demut lehrt. Wer glaubt, die Meisterwerke von Antoni Gaudí spontan besichtigen zu können, wird oft enttäuscht. Der Park Güell, ein ikonisches Weltkulturerbe, reguliert seine Besucherströme streng. Trotz unserer Anwesenheit vor Ort waren alle Tickets für den Tag bereits vergriffen.

Insider-Tipp: In der modernen Ära des Massentourismus ist Spontanität an Weltkulturerbestätten ein Risiko. Für Highlights wie den Park Güell oder die Sagrada Família ist eine Online-Buchung Tage im Voraus mittlerweile obligatorisch. Lassen dich nicht von der Größe des Hafens täuschen – die Kapazitäten an Land sind begrenzt.

Fazit: Mehr als nur eine Seereise
Diese 21 Tage waren eine Synthese aus technischer Präzision – wie dem Manövrieren im Suezkanal – und kultureller Immersion, die von der Sage des Minotaurus in Knossos bis zur Stille im Garten Gethsemane reichte. Ob beim Sechs-Gang-Menü im Rossini oder beim Beobachten der Dreharbeiten an Deck: Diese Reise forderte das Verständnis von Zeit und Geschichte heraus.

Welches Ziel auf dieser Route würde dein Verständnis von Geschichte am stärksten herausfordern?

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.