Weihnachten auf See:
Ein paar Gedanke zu meiner Kreuzfahrt von Gran Canaria nach Mallorca

1. Der Zauber der Feiertage auf dem Ozean
Wenn das heimische Weihnachtsfest "droht", unter der Last starrer Traditionen und dem organisatorischen Hochdruck des perfekten Festes zu ersticken, erwacht die Sehnsucht nach einem deutlichen Perspektivwechsel. Was, wenn man den Tannenbaumduft gegen die salzige Brise des Atlantiks tauscht? Die Neugier auf eine Festtagsreise führt uns an Bord der Mein Schiff 1, die zwischen dem 17. und 27. Dezember von Gran Canaria über Madeira bis nach Mallorca kreuzt. Es ist ein Aufbruch in eine entschleunigte Welt, in der die festliche Stimmung mit dem Abenteuerdrang einer Entdeckungsreise verschmilzt. 
Bevor die Leinen in Las Palmas endgültig gelöst werden, fungiert Teneriffa als geschichtsträchtiges Präludium. In Puerto de la Cruz begegnet man der Historie auf Schritt und Tritt – etwa im „Maison el Monasterio“. Dieses Anwesen, 1788 vom Dominikaner Antonio Gomero erbaut, thront mit seinen Restaurants und dem weiten Blick über die Stadt als steinernes Zeugnis der Beständigkeit. Es sind solche Begegnungen mit der Zeitlosigkeit, die den Ton für eine Reise setzen, die mehr ist als nur eine Flucht vor dem Winter.

2. Funchal – Strategische Stille und der doppelte Blick von oben
Madeiras Hauptstadt Funchal verdankt ihren Namen einer schlichten Entdeckung: Die portugiesischen Seefahrer fanden hier ein Übermaß an Wildfenchel vor – funcho – und gaben der Stadt damit ihre botanische Identität. Wer das Herz der Stadt erkunden will, steht vor einer logistischen Wahl: Die 2,5 Kilometer lange Promenade lädt zu einem Flanieren am Wasser ein, während der Shuttlebus die effiziente Brücke zur Seilbahnstation schlägt. Doch der wahre Kenner weiß: Die Logistik von Monte ist ein zweistufiges Erlebnis. Während sich die Touristenmassen bei den berühmten Korbschlittenfahrten stauen, führt der Weg für Ästheten weiter. Erst eine zweite Seilbahn – oder alternativ eine Busfahrt für jene, die die Höhe scheuen – erschließt den großen Botanischen Garten. Dieses 1960 eröffnete Refugium beherbergt auf steilem Terrain über 2.000 Exoten. Es ist ein Ort der tiefen Ruhe, der den Kontrast zum touristischen Trubel von Monte meisterhaft inszeniert. „Inmitten der blühenden Strelitzien und Orchideen erlebt man eine faszinierende kognitive Dissonanz: Während das Auge Frühlingsgefühle registriert, erinnert die opulente Weihnachtsbeleuchtung in den Gassen Funchals daran, dass wir uns im tiefsten Winter befinden.“

3. Lissabon – Zwischen „Travel Agility“ und dem Santa-Justa-Geheimnis
Die Einfahrt in den Tejo ist ein kinoreifer Moment, dominiert von der „Ponte“. Die 3,2 Kilometer lange Brücke des 25. April weckt mit ihrer roten Statur unvermeidlich Assoziationen zur Golden Gate Bridge. Für den versierten Reisenden ist Lissabon jedoch vor allem eine Lektion in „Travel Agility“: Die Kunst, für jedes Viertel das richtige Tempo zu wählen.
Während die Prachtmeilen zum Fußmarsch einladen, verlangen die steilen Gassen der Alfama nach Wendigkeit. Hier triumphiert das Tuk-Tuk als mobiles Logen-Ticket, das Flexibilität bietet, die kein Linienbus erreicht. Wer die historische Straßenbahn bevorzugt, wählt die Linie 28E – ein Klassiker, der sich durch die urbanen Texturen der Altstadt schlängelt. Doch der wertvollste Insider-Tipp betrifft den Elevador de Santa Justa. Um die massiven Warteschlangen und die Kosten für die vertikale Fahrt zu umgehen, steuert man gezielt den Platz Largo do Carmo an. Über den dortigen Zugang lässt sich die Aussichtsplattform von der Seite her völlig kostenfrei betreten – ein Triumph der Strategie über die touristische Geduld.

4. Gibraltar – Lichtchoreografien und die Etikette der Wildnis
Gibraltar, das seit dem Frieden von Utrecht 1713 unter britischer Flagge steht, ist ein britisches Exponat in mediterraner Sonne. Die strategische Bedeutung des Felsens wird in den Great Siege Tunnels aus den 1780er Jahren greifbar, wo die Briten ihre Vorherrschaft gegen Spanier und Amerikaner verteidigten. Heute blickt man von dort auf den kuriosen Flughafen, dessen Landebahn eine Straße kreuzt – ein modernes Paradoxon. Tief im Inneren des Kalksteins offenbart die St. Michaels Cave eine unerwartete kulturelle Tiefe. Der natürliche Konzertsaal wird alle sieben Minuten durch eine Licht- und Musikshow in eine psychedelische Kathedrale verwandelt. Doch die wahren Protagonisten des Felsens bleiben die Berberaffen. Hier ist eine präzise Etikette überlebenswichtig:
Wahrung der Distanz: Trotz ihrer Nähe bleiben sie ungezähmte Primaten mit scharfen Zähnen.
Verschluss-Disziplin: Taschen und Rucksäcke müssen fest verschlossen und nah am Körper geführt werden.
Fütterungsverbot: Jede Interaktion durch Lebensmittel stört das fragile Gleichgewicht der Wildtiere.
Nach dem Studium der Historie bietet die Main Street als mehrwertsteuerfreies Paradies den perfekten Kontrast – eine moderne Symbiose aus Festung und Konsum.

5. Barcelona – Das Genie des Scheiterns und versteckte Antike
Barcelona ist das Monument des Antoni Gaudí, doch sein bekanntestes Werk, der Park Güell, war wirtschaftlich betrachtet ein Desaster. Geplant als exklusive Gartenstadt mit 60 Villen, wurden mangels Käufern nur zwei Parzellen veräußert und lediglich drei Häuser fertiggestellt. Heute ist dieser „Misserfolg“ ein UNESCO-Weltkulturerbe. Gaudís Meisterschaft zeigt sich in der organischen Integration in das Gelände und im „Trencadís“ – Mosaiken aus Bruchfliesen, die aus Abfällen einer nahen Fabrik entstanden. Ein Besuch ohne Vorab-Reservierung ist heute jedoch aussichtslos; das Tageskontingent ist die harte Währung Barcelonas. 
Wer die Seele der Stadt jenseits der Moderne sucht, muss die „unscheinbaren Hinterhöfe“ des Gotischen Viertels erkunden. Versteckt hinter profanen Hauswänden finden sich dort drei monumentale Säulen des Augustus-Tempels. Es ist ein stiller Moment der Erhabenheit, der zeigt, dass die größten Schätze oft dort liegen, wo man sie am wenigsten vermutet.

6. Das Stauraum-Wunder der Kabine 7189
Auf einer Kreuzfahrt ist praktisches Design die wahre Form von Luxus. Die Analyse unserer Standard-Balkonkabine 7189 offenbart ein architektonisches Verständnis für die Bedürfnisse von Schiffreisenden. Wer sein Reise-Leben in diesen Schränken unterbringt, begreift die Kabine nicht als Zelle, sondern als effizientes Zuhause auf Zeit. Es ist die Symbiose aus Ästhetik und kompromissloser Funktionalität, die das Leben auf See erst entspannt möglich macht.

Fazit: Ein neues Verständnis von Weihnachts-Tradition
Diese Reise begann in Las Palmas, wo das alte Kreuzfahrtterminal gerade dem Erdboden gleichgemacht wurde, um Platz für Neues zu schaffen. Dieser Abriss ist das perfekte Sinnbild für das Reisen an den Feiertagen: Man bricht alte Strukturen auf, um Raum für neue Erfahrungen zu schaffen. Ob bei der festlichen Auslaufparty auf dem Pooldeck oder der Verlosung der Seekarte zugunsten der Crew – die Gemeinschaft an Bord ersetzt das starre Korsett der häuslichen Verpflichtungen. Das Reisen an Weihnachten verändert die Perspektive. Es lehrt uns, dass Festlichkeit nicht an einen Ort oder eine Tradition gebunden ist, sondern an die Entdeckung und das Staunen.

Bleibt am Ende die Frage: Ist das wahre Geschenk der Feiertage vielleicht gar nicht die Beständigkeit der Zeremonien, sondern die Freiheit, den Horizont zu erweitern und das Fest in der Fremde neu zu definieren?

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.