18 Tage voller Abenteuer auf der Mein Schiff 7
Es gibt Kreuzfahrten, bei denen man nach zwei Wochen das Gefühl hat, eigentlich nur ein paar schöne Häfen besucht zu haben. Und dann gibt es Reisen, bei denen man irgendwann auf den Kalender schaut und sich fragt: „War das wirklich alles eine einzige Reise?“
Unsere Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 7 in den hohen Norden gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.
18 Tage waren wir unterwegs. Von Kiel ging es über Norwegen bis zum Nordkap, weiter nach Spitzbergen und anschließend über das Europäische Nordmeer nach Island. Dort warteten die Landschaften rund um Akureyri und der Mývatn-See, Reykjavík und der berühmte Golden Circle auf uns. Auf dem Rückweg führte die Route über mehrere Seetage nach Kopenhagen und schließlich wieder zurück nach Kiel.
Eine Reise also, die schon auf der Landkarte beeindruckend aussieht. Aber wie so oft bei einer Kreuzfahrt sind es am Ende nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, die in Erinnerung bleiben. Es sind die Momente dazwischen: der erste Kaffee am Morgen mit Blick aufs Meer, die Einfahrt in einen Fjord, plötzlich auftauchende Wasserfälle, das Licht im hohen Norden, ein Rentier am Straßenrand oder dieser ganz besondere Augenblick, wenn man merkt: Wir sind gerade wirklich verdammt weit oben auf dieser Welt.
Kiel – und dann heißt es endlich: Leinen los!
Unsere Reise begann nicht ganz überraschend in Kiel. Für Kreuzfahrer ist die Stadt längst zu einem wichtigen Tor nach Skandinavien geworden. Für uns war sie zunächst einmal der Ausgangspunkt für ein Abenteuer, das uns weiter nach Norden bringen sollte, als wir bei einer normalen Kreuzfahrt vermutlich jemals unterwegs wären.
Schon am ersten Tag begann das typische Kreuzfahrtgefühl. Koffer abgeben, einchecken, Kabine beziehen, die ersten Runden über das Schiff drehen und natürlich die obligatorische Sicherheitseinweisung. Und irgendwann kommt dieser Moment, auf den man gewartet hat: Die Leinen sind los, der Hafen bleibt langsam zurück und vor einem liegen 18 Tage voller neuer Eindrücke.
Die Mein Schiff 7, Baujahr 2024 und bei Meyer Turku gebaut, war dabei keine Unbekannte für uns. Wir kannten das Schiff bereits von unserer Ostseereise im September 2025. Mit 1.461 Kabinen und Platz für bis zu 2.894 Passagiere ist sie groß genug, um eine Menge zu bieten, aber gleichzeitig vertraut genug, dass man sich schnell wieder zurechtfindet.
Der erste Seetag führte uns Richtung Norwegen. Und genau dafür sind Seetage da: ankommen, entspannen und sich langsam wieder an diesen ganz besonderen Kreuzfahrtrhythmus gewöhnen. Während draußen das Meer vorbeizog, begann für uns die Reise in den hohen Norden eigentlich schon richtig.
Bergen – das Tor zu den Fjorden
Am nächsten Morgen wartete Bergen auf uns. Schon die Lage der Stadt ist beeindruckend. Bergen liegt am Byfjord und ist von sieben Bergen umgeben. Nicht umsonst wird die alte Handelsstadt gerne als „Tor zu den Fjorden“ bezeichnet. Wir hatten uns entschieden, Bergen auf eigene Faust zu erkunden. Eine gute Entscheidung, denn vieles lässt sich hier wunderbar zu Fuß entdecken. Vom Hafen ging es zunächst durch die Stadt, vorbei an alten Holzhäusern und schließlich Richtung Zentrum.
Bergen ist eine Stadt, bei der man eigentlich ständig stehen bleiben möchte. Mal ist es ein schönes altes Holzhaus, mal ein kleiner Platz, mal eine Straße, die plötzlich eine völlig andere Atmosphäre ausstrahlt. Besonders schön fanden wir die historischen Viertel mit ihren Holzhäusern – kleine Ecken, die fast so wirken, als hätte die Zeit hier irgendwann beschlossen, einfach stehen zu bleiben.
Natürlich durfte auch der Fischmarkt nicht fehlen. Dort wird alles angeboten, was das Meer so hergibt: Fisch und Meeresfrüchte, aber auch Obst, Gemüse, Blumen, Kunsthandwerk und Souvenirs. Und wer dort über Königskrabben stolpert, merkt spätestens dann, dass man tatsächlich in Norwegen angekommen ist.
Ein Höhepunkt des Tages war die Fahrt mit der Fløibanen hinauf auf den Fløyen. Oben angekommen, liegt Bergen unter einem. Die Stadt, der Hafen, die Berge und das Meer ergeben ein Panorama, das man sich kaum besser ausdenken könnte. Anschließend ging es wieder hinunter und weiter zum wohl bekanntesten Motiv Bergens: Bryggen. Die historischen, eng aneinanderstehenden Holzhäuser am Hafen erinnern an die Zeit der Hanse und gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zwischen den schmalen Gassen kann man sich wunderbar verlieren – und genau das sollte man auch tun.
Bergen war damit unser erster richtiger Landgang dieser Reise. Und wenn man am Ende eines Tages bereits denkt: „Wenn das so weitergeht, wird das eine fantastische Reise“, dann ist das eigentlich ein ziemlich gutes Zeichen.
Geirangerfjord – Norwegen zeigt, was es kann
Am nächsten Morgen wurde es spektakulär. Schon die Fahrt in den Geirangerfjord gehört zu den großen Erlebnissen einer Norwegen-Kreuzfahrt. Gewaltige Berge ragen links und rechts aus dem Wasser, die Felswände fallen steil in den Fjord und überall stürzen Wasserfälle ins Tal.
Und dann liegt plötzlich Geiranger vor einem. Das kleine Dorf am Ende des Fjordes wirkt beinahe winzig zwischen den gewaltigen Bergen. Im Sommer wird aus dem sonst beschaulichen Ort allerdings ein lebhafter Treffpunkt für Reisende aus aller Welt.
Unser Vormittag stand ganz im Zeichen eines Ausflugs zum Dalsnibba und zur Adlerkehre. Die Fahrt hinauf führte über zahlreiche Serpentinen. Mit jeder Kurve wurde die Landschaft spektakulärer und gleichzeitig wurde deutlich, wie weit oben wir inzwischen angekommen waren. Auf fast 1.500 Metern Höhe bot sich schließlich ein grandioser Blick hinunter auf den Fjord. Danach ging es wieder hinab und weiter zur Adlerkehre. Von dort eröffnet sich ein fantastischer Blick auf den Geirangerfjord und die berühmten Wasserfälle der „Sieben Schwestern“.
Am Nachmittag blieb noch Zeit, Geiranger selbst zu erkunden. Wir schlenderten durch die kleine Einkaufsstraße mit ihren Holzhäusern, Geschäften und Cafés und gingen weiter Richtung Marina. Von dort bietet sich auch ein schöner Blick zurück auf das Schiff. Wer noch Energie hatte, konnte dem Wasserfallpfad entlang der Geirangelva folgen. Der Fossevandring führt teilweise über Metalltreppen direkt am Wasser entlang und zeigt noch einmal eine ganz andere Seite des Ortes. Doch der Tag war noch nicht vorbei. Am Abend verließ die Mein Schiff 7 Geiranger und fuhr weiter nach Hellesylt. Damit verabschiedeten wir uns langsam von der klassischen Fjordlandschaft und machten uns auf den Weg zu unserem eigentlichen Ziel: dem hohen Norden.
Auf dem Weg zum Nordkap
Der nächste Seetag fühlte sich bereits anders an. Wir waren jetzt unterwegs Richtung Nordkap. Je weiter wir nach Norden kamen, desto mehr veränderte sich das Gefühl für die Entfernung. Das Meer wurde zum ständigen Begleiter und die Landschaft draußen zunehmend karger und ursprünglicher. Auf der Mein Schiff 7 musste trotzdem niemand frieren. Neben dem großen 25-Meter-Pool gibt es einen überdachten und beheizten Poolbereich im hohen Norden durchaus eine ziemlich praktische Erfindung.
Auch das Unterhaltungsprogramm sorgte dafür, dass die Seetage keineswegs langweilig wurden. Verschiedene Gastkünstler und mehrere Lektoren begleiteten die Reise. Besonders spannend waren die Vorträge über Land und Leute des Nordens, denn plötzlich wurde aus der Landschaft vor dem Fenster eine Geschichte mit Hintergründen, Zusammenhängen und vielen kleinen Anekdoten. Und irgendwann war es dann soweit: Wir näherten uns dem Nordkap.
Honningsvåg und das Nordkap – weiter nördlich geht es kaum
Honningsvåg empfing uns am Abend des 1. August. Die Stadt liegt auf Magerøya, einer kargen Insel ganz im Norden Norwegens. Inzwischen befinden wir uns in einer Region, in der im Winter die Nordlichter und im Sommer die Mitternachtssonne den Takt vorgeben.
Unser Ziel für diesen Abend war natürlich das Nordkap. Statt einer klassischen großen Reisegruppe entschieden wir uns für eine Bustour über Magerøya. Die Route führte zunächst durch die weite Landschaft der Insel und über verschiedene kleinere Orte. Tufjord, Kamøyvær und Skarsvåg zeigten uns, wie abgeschieden das Leben hier oben tatsächlich sein kann.
Und dann tauchte es vor uns auf: das Nordkap. Es gibt Orte, bei denen das Foto niemals ganz das Gefühl wiedergeben kann, das man vor Ort hat. Das Nordkap gehört für uns definitiv dazu. Die Landschaft ist karg, weit und gleichzeitig unglaublich eindrucksvoll. Kein üppiges Grün, keine großen Städte, keine dichte Besiedlung. Stattdessen Felsen, Meer, Wind und eine unglaubliche Weite.
Und natürlich durfte auch die berühmte Weltkugel nicht fehlen. Besonders faszinierend war dabei die Uhrzeit. Wir waren am späten Abend unterwegs und trotzdem war es hell. Richtig hell. Der Norden kennt im Sommer eben seine eigenen Regeln. Während man sich anderswo längst auf einen gemütlichen Abend einstellt, steht hier die Sonne scheinbar noch immer auf „Tagbetrieb“.
Und natürlich begegneten uns überall auch Rentiere. Genau dafür hatten wir auf dieser Reise gehofft. Und plötzlich wurde aus einer ohnehin schon beeindruckenden Landschaft ein echtes Nordkap-Erlebnis. Als wir später wieder Richtung Honningsvåg unterwegs waren, war der Tag noch lange nicht vorbei. Denn das Schiff sollte erst um 3:30 Uhr am nächsten Morgen ablegen. Der hohe Norden hatte uns also gewissermaßen eine Nacht ohne Nacht geschenkt.
Spitzbergen – willkommen am Ende der Welt
Nur zwei Tage später wartete das nächste große Highlight. Longyearbyen auf Spitzbergen. Allein der Name klingt schon nach Abenteuer. Und tatsächlich fühlt sich die Ankunft dort ein wenig so an, als würde man eine andere Welt betreten.
Longyearbyen gehört zu den nördlichsten dauerhaft bewohnten Orten der Welt. Die Stadt liegt am Adventfjord in einem etwa vier Kilometer langen Tal. Rundherum: arktische Landschaft, Berge, Gletscher und eine Natur, die deutlich macht, dass der Mensch hier nicht unbedingt der Hausherr ist. Was sofort auffällt: Es gibt kaum Straßen. Und am Ortsrand beginnt die Wildnis. Das Thema Eisbären ist deshalb nicht einfach nur ein touristischer Gag. Wer sich außerhalb des geschützten Ortsbereichs bewegt, muss sich mit der arktischen Realität auseinandersetzen.
Wir erkundeten Longyearbyen zu Fuß. Vom Hafen ging es zunächst entlang der Küste. Schon nach kurzer Zeit kamen wir an der Svalbard Bryggeri vorbei. Das Wasser für die dort gebrauten Biere stammt aus einem mehr als 2.000 Jahre alten Gletscher. Viel arktischer kann man ein Bier eigentlich kaum bekommen.
Weiter ging es zum Svalbard Museum. Dort wird die Geschichte und Natur der Region dargestellt und man bekommt einen Eindruck davon, wie Menschen diese extreme Gegend im Laufe der Zeit erschlossen haben. Auch das North Pole Expedition Museum liegt in der Nähe. Es erinnert an die großen Nordpolexpeditionen des frühen 20. Jahrhunderts.
Longyearbyen selbst überrascht. Trotz seiner Lage mitten in der Arktis gibt es Geschäfte, Restaurants, Bars, Museen und sogar ein Einkaufszentrum. Und doch bleibt überall dieses Gefühl: Hinter dem letzten Haus beginnt eine Welt, die ganz anderen Regeln folgt.
Ein weiterer besonderer Ort ist die Svalbard Kirke. Die kleine rote Holzkirche liegt am Hang oberhalb des Ortes und ist die nördlichste Kirche der Welt. Sie steht Menschen unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten offen und wirkt in dieser kargen Landschaft fast ein wenig unwirklich.
Longyearbyen war für uns einer dieser Orte, an denen man nicht einfach nur Sehenswürdigkeiten „abhakt“. Hier geht es vielmehr um das Gefühl, tatsächlich weit draußen in der Arktis angekommen zu sein.
Zwei Tage auf See – und eine Insel, die einfach mitten im Nichts liegt
Nach Spitzbergen folgten zwei weitere Seetage. Unser Kurs führte uns Richtung Island. Dabei passierten wir Jan Mayen, eine abgelegene norwegische Vulkaninsel zwischen Grönlandsee und Europäischem Nordmeer. Über der Insel erhebt sich der 2.277 Meter hohe Beerenberg, der als nördlichster aktiver Vulkan der Erde gilt.
Allein die Vorstellung ist faszinierend: Wir fahren auf einem Kreuzfahrtschiff mitten durch den hohen Norden und passieren Orte, die man sonst höchstens aus Dokumentationen kennt. Und während draußen wieder nur Wasser, Himmel und gelegentlich entfernte Landmassen zu sehen waren, begann sich die Reise langsam zu verändern. Wir hatten Norwegen und die Arktis hinter uns gelassen. Vor uns lag Island.
Akureyri – Island beginnt mit einem Wasserfall
Am frühen Morgen erreichten wir Akureyri. Die Stadt liegt am Ende des langen Eyjafjörður und ist mit rund 18.000 Einwohnern zwar klein, gilt aber als viertgrößte Stadt Islands. Für uns war Akureyri allerdings weniger das Ziel als vielmehr der Ausgangspunkt für einen Tag voller Naturwunder.
Unser Ausflug führte zunächst zum Goðafoss. Der Wasserfall ist etwa 30 Meter breit und stürzt zwölf Meter tief in eine hufeisenförmige Lagune. Das Wasser leuchtet beinahe unwirklich blau und bildet zusammen mit der grünen und felsigen Umgebung ein fantastisches Fotomotiv.
Danach ging es weiter zum Mývatn. Die Landschaft rund um den See zeigt eindrucksvoll, wie sehr Island vom Vulkanismus geprägt wurde. Pseudokrater, Lavafelder, bizarre Felsformationen und dampfende Thermalgebiete wechseln sich ständig ab. Bei Skútustaðagígar konnten wir die typischen Pseudokrater bestaunen. Danach ging es weiter nach Kálfaströnd mit seinen markanten Felsformationen im See.
Dann wurde die Landschaft endgültig surreal. Dimmuborgir, ein Lavafeld mit bizarren Felsformationen, die aussehen, als hätte jemand die Ruinen einer mittelalterlichen Burg mitten in die isländische Landschaft gestellt. Kein Wunder, dass sich um diesen Ort zahlreiche Geschichten und Legenden ranken. In der isländischen Mythologie gilt Dimmuborgir sogar als Wohnort von Elfen und Trollen.
Und als wäre das noch nicht genug, wartete anschließend Námaskarð. Dort brodelt, dampft und zischt es aus dem Boden. Schlammbecken blubbern, Fumarolen stoßen Dampf aus und überall dominieren Ocker-, Grau- und Gelbtöne. Die Landschaft wirkt fast wie ein fremder Planet. Wer dort schon einmal gestanden hat, weiß allerdings: Island kann nicht nur spektakulär aussehen, es kann auch spektakulär riechen. Der Schwefelgeruch ist jedenfalls eine Erfahrung, die man nicht so schnell vergisst.
Weiter ging es zur Grjótagjá-Höhle. Das tiefblaue Wasser in der Höhle ist wunderschön anzusehen. Baden ist allerdings längst keine gute Idee mehr, denn die Wassertemperatur stieg durch die geothermische Aktivität auf rund 60 Grad. Bekannt wurde die Höhle unter anderem auch durch „Game of Thrones“.
Reykjavík – Island, aber leider nur vom Schiff aus
Am Freitag, dem 7. August, erreichten wir Reykjavík. Eigentlich hatten wir uns auf unseren ersten richtigen Tag in Islands Hauptstadt gefreut. Ein gemütlicher Spaziergang durch die Stadt, das beeindruckende Konzerthaus Harpa, die berühmte Skulptur „Sonnenfahrt“, die Hallgrímskirkja und natürlich ein bisschen Reykjavík-Atmosphäre standen auf unserem Plan.
Doch manchmal schreibt das Reisen seine eigenen Geschichten. Schon beim Anlegen stellte sich heraus, dass dieser Tag anders verlaufen würde als geplant. Aufgrund von Problemen und offenbar auch Abstimmungsproblemen zwischen den örtlichen Hafenbehörden und den beteiligten Busunternehmen konnten wir nicht wie vorgesehen am eigentlichen Kreuzfahrtterminal anlegen. Stattdessen machte die Mein Schiff 7 in einem Containerhafen fest. Das allein wäre natürlich noch kein Drama gewesen. Das eigentliche Problem: Von dort durfte man den Hafenbereich nicht einfach auf eigene Faust zu Fuß verlassen. Man war also auf einen Shuttle-Service angewiesen, um überhaupt ins Stadtgebiet zu gelangen. Und genau dieser Shuttle-Service entwickelte sich an diesem Tag leider zum kleinen Kreuzfahrt-Krimi.
Es war offenbar nicht möglich, kurzfristig genügend Busse bereitzustellen, um die vielen Passagiere zuverlässig aus dem Hafen zu bringen. Immer wieder gab es neue Informationen und Hoffnungen, dass es nun doch gleich losgehen würde. Doch so richtig kam der Shuttle-Betrieb nicht in Gang. Und während wir auf eine Lösung warteten, machte das isländische Wetter seinem Ruf alle Ehre. Es regnete. Nicht ein bisschen. Sondern so, wie Island offenbar sagen wollte: „Wenn ihr schon nicht von Bord kommt, dann könnt ihr wenigstens das Wetter kennenlernen.“
Irgendwann war klar, dass sich ein Landgang unter diesen Umständen kaum noch sinnvoll planen ließ. Also blieb uns nichts anderes übrig, als Reykjavík an diesem Tag vom Schiff aus zu betrachten. Das war natürlich schade, denn gerade nach den fantastischen Landschaftserlebnissen rund um Akureyri hatten wir uns sehr auf die Hauptstadt gefreut. Andererseits gehört auch so etwas zu einer Reise dazu. Nicht jeder Tag läuft nach Plan, und gerade bei einer Kreuzfahrt hängen viele Dinge von örtlichen Gegebenheiten, Hafenfreigaben, Behörden und der Verfügbarkeit entsprechender Infrastruktur ab.
Wir machten es uns also an Bord gemütlich und nutzten den unfreiwilligen Hafentag, um einfach einmal durchzuatmen. Nach den vielen Eindrücken der vergangenen Tage war ein ruhiger Tag ohnehin nicht das Schlechteste – auch wenn wir uns diesen vermutlich etwas anders vorgestellt hatten. Reykjavík blieb damit an diesem Tag für uns unerreichbar. Aber Island hatte ja noch einen zweiten Trumpf im Ärmel. Am nächsten Morgen sollte es endlich an Land gehen und diesmal hatten wir einen Ausflug zum berühmten Golden Circle geplant. Was wir an diesem Tag erleben würden, sollte die kleine Reykjavík-Enttäuschung mehr als wettmachen.
Der Golden Circle – Islands große Klassiker
Am zweiten Tag in Reykjavík stand eines der bekanntesten Ausflugsziele Islands auf dem Programm: der Golden Circle. Und der machte seinem Namen alle Ehre. Unsere Route führte über die Hochebene Hellisheiði zunächst nach Hveragerði und anschließend zum Krater Kerið. Danach ging es weiter zum Gullfoss, einem der beeindruckendsten Wasserfälle Islands. Danach wartete das Geothermalgebiet Haukadalur mit dem Strokkur.
Wer einmal erlebt hat, wie der Geysir plötzlich seine Wassersäule in die Höhe schießt, versteht, warum man hier trotz aller vorherigen Fotos immer wieder gebannt auf den nächsten Ausbruch wartet. Man weiß zwar, dass er kommt aber irgendwie steht man trotzdem jedes Mal mit dem Handy in der Hand da und denkt: „Jetzt! Jetzt!“
Am Laugarvatn konnten wir anschließend eine weitere Besonderheit kennenlernen: Dort werden heiße Quellen zum Brotbacken genutzt. Danach ging es in den Þingvellir-Nationalpark. Hier treffen Natur, Geschichte und Geologie unmittelbar aufeinander. Der Öxarárfoss, die Almannagjá und der Ort, an dem einst das Alþing tagte, machten diesen letzten großen Ausflug der Reise noch einmal zu einem besonderen Erlebnis.
Island hatte damit eigentlich alles gezeigt, was man sich von einer Reise dorthin erhofft: Wasserfälle, Vulkane, Geysire, Lava, heiße Quellen, spektakuläre Landschaften, Geschichte und eine gute Portion Wetter, bei dem man besser auf alles vorbereitet ist.
Drei Seetage – Zeit zum Durchatmen
Nach den intensiven Tagen in Island hieß es wieder: zurück an Bord. Drei zusammenhängende Seetage lagen vor uns. Und genau jetzt merkte man, wie gut diese Pausen eigentlich tun. Die letzten Tage waren vollgepackt mit Erlebnissen. Man hatte unzählige Fotos gemacht, neue Eindrücke gesammelt und wahrscheinlich längst vergessen, an welchem Tag man eigentlich wo gewesen war. Also hieß es: zurücklehnen.
Die Mein Schiff 7 bot dafür reichlich Möglichkeiten. Viele Restaurants, Bars und Lounges sorgten dafür, dass die Auswahl an Essen, Getränken und gemütlichen Plätzen durchaus überschaubar unüberschaubar war. Besonders interessant war das „Hideki“ mit asiatischen Spezialitäten. Während das Schiff Kurs auf Kopenhagen nahm, passierten wir auf unserem Weg nach Süden unter anderem die Färöer-, Shetland- und Orkney-Inseln. Und langsam wurde uns bewusst, dass sich diese Reise dem Ende näherte. Nach Nordkap, Spitzbergen und Island war Kopenhagen fast schon wieder eine andere Welt.
Kopenhagen – ein letzter großer Landgang
Unser letzter Hafen war Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt empfing uns am 12. August bei bestem Kreuzfahrtgefühl: morgens vom Schiff steigen und innerhalb weniger Stunden noch einmal eine komplette Stadt erleben.
Wir begannen unseren Rundgang an der Kleinen Meerjungfrau. Sie ist kleiner, als man vielleicht erwartet aber genau das macht ihren Charme aus. Keine monumentale Statue, sondern eine eher stille Figur, die hinaus aufs Wasser blickt. Von dort ging es zum Kastellet, einer sternförmigen Festungsanlage mit grünen Wällen und der markanten roten Windmühle. Ein überraschend ruhiger Ort mitten in der Stadt.
Danach führte uns der Weg zum Schloss Amalienborg. Der achteckige Platz mit seinen prachtvollen Gebäuden vermittelt sofort einen Eindruck von der dänischen Monarchie. Gegenüber erhebt sich die Marmorkirche mit ihrer gewaltigen Kuppel.
Und dann kam der Moment, auf den sich vermutlich jeder Kopenhagen-Besucher freut: Nyhavn. Bunte Häuser, historische Schiffe, Restaurants, Cafés und jede Menge Leben. Die Gebäude spiegeln sich im Wasser und bilden eine Kulisse, die fast schon zu perfekt wirkt, um echt zu sein.
Danach ging es weiter durch die Altstadt und über die Strøget zum Rundetårn. Der Turm besitzt keinen klassischen Treppenaufgang, sondern eine breite spiralförmige Rampe. Oben angekommen, bot sich noch einmal ein wunderschöner Blick über Kopenhagen.
Zum Abschluss besuchten wir Schloss Rosenborg und den Königsgarten. Das Renaissanceschloss wirkt fast wie ein kleines Märchenschloss. Besonders schön ist aber der Park rundherum. Zwischen alten Bäumen, Blumenbeeten und den Kopenhagenern, die dort einfach ihr „Hyggelig“-Leben genießen, kann man wunderbar zur Ruhe kommen.
Kopenhagen war damit ein perfekter letzter Landgang.
Zurück nach Kiel – und plötzlich ist die Reise vorbei
Am nächsten Morgen erreichten wir wieder Kiel. 18 Tage nach unserem Start war die Reise zu Ende. Die Kabine musste geräumt werden, die Koffer wurden wieder eingesammelt und irgendwann steht man tatsächlich mit seinem Gepäck auf dem Weg von Bord. Der Shuttle brachte uns zurück zum Parkplatz und damit zurück in den ganz normalen Alltag.
Und genau das ist vielleicht das Seltsame an einer solchen Reise: Während man unterwegs jeden einzelnen Tag erlebt, scheint die Zeit manchmal stillzustehen. Und kaum ist man wieder zu Hause, fragt man sich, wie diese 18 Tage eigentlich so schnell vorbeigehen konnten.
Unser Fazit: Eine Reise, die bleibt
Diese Kreuzfahrt war weit mehr als eine Aneinanderreihung schöner Häfen. Sie war eine Reise durch unterschiedliche Welten.
Wir starteten in Kiel und tauchten zunächst in die norwegische Fjordlandschaft ein. Bergen zeigte uns die historische Seite Norwegens, der Geirangerfjord die gewaltige Kraft der Natur. Am Nordkap wurde es schließlich richtig arktisch. Und in Longyearbyen auf Spitzbergen fühlte es sich tatsächlich so an, als wären wir am Rand der bewohnten Welt angekommen.
Dann änderte sich die Landschaft erneut. Island präsentierte sich uns als riesiges Naturphänomen: Wasserfälle, Vulkane, Lavafelder, Geysire, Thermalgebiete und heiße Quellen. Jeder Kilometer brachte eine neue Landschaft hervor. Und gerade weil Island so anders als Norwegen und Spitzbergen ist, fühlte sich dieser Teil der Reise fast wie ein zweiter Urlaub innerhalb derselben Kreuzfahrt an.
Dazwischen lagen die Seetage. Sie waren keine bloßen „Lücken“ zwischen den Häfen, sondern ein wichtiger Teil der Reise. Zeit zum Abschalten, zum Genießen, zum Erzählen, zum Fotos sortieren und natürlich auch zum Essen. Sehr viel Essen.
Und schließlich Kopenhagen. Noch einmal Kultur, Geschichte, Architektur und Großstadtleben, bevor es zurück nach Kiel ging.
Wenn wir heute auf diese Reise zurückblicken, bleiben deshalb nicht nur einzelne Sehenswürdigkeiten im Gedächtnis. Es ist das Gesamtbild. Das Gefühl, morgens aufzuwachen und nicht zu wissen, welche Landschaft heute hinter dem nächsten Fjord wartet. Das Licht im hohen Norden. Die Weite am Nordkap. Die karge Schönheit Spitzbergens. Das Geräusch eines Wasserfalls in Island. Der Dampf, der aus dem Boden steigt. Die bunten Häuser von Nyhavn. Und natürlich immer wieder dieses vertraute Gefühl: Man kommt nach einem erlebnisreichen Tag zurück zum Schiff, geht an Bord, schaut noch einmal über das Wasser und weiß, dass man am nächsten Morgen einfach wieder irgendwo anders aufwachen wird.
Genau das ist es, was wir an Kreuzfahrten so lieben. Und diese Reise in den hohen Norden hat uns einmal mehr gezeigt, warum.
18 Tage. 7 Seetage. Norwegen, Nordkap, Spitzbergen, Island und Dänemark. Unzählige Eindrücke. Tausende Fotos. Und sehr viele Geschichten, die bleiben.
Eine Reise, die man nicht einfach beendet, wenn man in Kiel von Bord geht. Man nimmt sie ein Stück weit mit nach Hause.
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